Zecke, vollgesogen Zecken und so

Die Lebensweise und Entwicklung der Zecken

vollgesogene, weibliche Zecke mit anhaftendem Männchen

Zecken sind keine Insekten, sondern Spinnentiere. Ihre Lebensweise ist gleichzeitig unglaublich langweilig und hochinteressant. Zecken sind Parasiten, im Laufe ihres Lebens braucht jede Zecke drei verschiedene Wirte, von denen sie sich ernährt. Dabei verbringt sie einen großen Teil ihres Lebens damit, auf den jeweils nächsten Wirt zu warten.

Der Kreislauf beginnt damit, dass sich ein vollgesogenes Zeckenweibchen von ihrem letzten Wirt auf den Boden fallen lässt. Wenn sie Glück hat, hat sie bereits ein Männchen dabei, das sich an ihrer Bauchseite festhält. Wenn nicht, dann wartet sie an dem Platz, auf den sie gefallen ist, darauf, dass ein Männchen vorbei kommt. Denn in vollgesogenem Zustand kann sie sich nicht mehr fortbewegen, das viel kleinere Männchen kann das noch. Das Weibchen kann ohne erneute Nahrungsaufnahme mehrere Jahre auf das Männchen warten, bevor es stirbt.

Nach der Begattung stirbt das Männchen, das Weibchen beginnt mit der Eiablage. Es können 2000 bis 3000 Eier werden. Wenn es damit fertig ist, stirbt auch das Weibchen. Sobald es in der Umgebung warm genug ist, schlüpfen aus den Eiern die Zeckenlarven, die weniger als einen Millimeter groß sind, weiß bis durchsichtig aussehen und sechs Beine haben. Sie sind mit bloßem Auge kaum zu erkennen.

Diese winzigen, durchsichtigen Zeckenlarven klettern nun auf Grashalme oder ähnliche Erhebungen und warten dort auf ihren ersten Wirt. Das wird wahrscheinlich eine Maus oder ein ähnlich kleines Tier sein, aber sie werden sich auch auf einen menschlichen Fuß oder eine Hundepfote fallen lassen, wenn diese zufällig vorbeikommen.

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Larven und Nymphen

Die Zeckenlarven stechen ihren Wirt, saugen sein Blut und lassen sich wieder auf den Boden fallen. Ein solcher Befall mit einer oder auch mehreren Zeckenlarven wird häufig nicht bemerkt, weil die Tiere so winzig und unscheinbar sind. Der Stich ist winzig klein, der Saugvorgang dauert nicht so lange wie bei einer ausgewachsenen Zecke. Aber auch Zeckenlarven können bereits Krankheitserreger übertragen, auch wenn das Risiko geringer ist als bei einer ausgewachsenen Zecke, die bereits die Erreger zweier Vorgängerwirte aufgenommen haben kann. Auch wenn man sich nicht an einen Zeckenstich erinnern kann, kann man also an zeckenübertragbaren Krankheiten erkranken. Das Risiko ist eher gering, aber vorhanden.

Nach dem Saugvorgang, und nachdem sich die Larve hat auf den Boden fallen lassen, verbringt sie mehrere Wochen damit, sich zu häuten und zur, jetzt achtbeinigen, Nymphe zu werden. Diese Nymphe ist ein wenig größer als die Larve, ungefähr einen Millimeter, weiß bis durchsichtig in der Farbe. Die fertige Nymphe klettert, ausreichende Temperaturen vorausgesetzt, wieder auf einen Grashalm, einen kleinen Busch oder ähnliches und wartet auf ihren nächsten Wirt. Das wird höchstwahrscheinlich ein kleineres Säugetier, vielleicht auch ein Vogel sein, seltener ein Mensch oder ein Hund.

Auf ihrem zweiten Wirt beisst sich die Nymphe wieder fest, saugt sein Blut und lässt sich wieder auf den Boden fallen. Auch ein solcher Stich einer Zeckennymphe wird oft nicht bemerkt, weil auch dieses Tier klein und unscheinbar ist. Die Wahrscheinlichkeit, von einer Nymphe befallen zu werden, ist höher als die, von einer Larve befallen zu werden, für Mensch und Haustier. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Nymphe Krankheitserreger enthält, ist auch höher als bei der Larve.

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Wenn die Nymphe mit ihrer Mahlzeit fertig ist, lässt sie sich auf den Boden fallen und verbringt wieder mehrere Wochen damit, sich zur jetzt erwachsenen Zecke zu häuten. Diese ist etwa drei bis vier Millimeter groß, hat denselben Körperbau wie die Nymphe, ist aber von kräftig rotbrauner Farbe.

Weibliche und männliche Zecken

Erst bei den erwachsenen Zecken gibt es männliche und weibliche Tiere, die vorhergehenden Entwicklungsstadien sind geschlechtslos. Beide klettern jetzt wieder auf Grashalme, Büsche oder ähnliches, wobei die Kletterkünste deutlich größer sind als bei den vorhergehenden Entwicklungsstadien. Entsprechend werden jetzt auch größere Wirte gesucht und gefunden. Erwachsene Zecken beinhalten das größte Risiko, Krankheiten zu übertragen, sie sind aber aufgrund ihrer Farbe und Größe einfacher zu entdecken als die früheren Entwicklungsstadien. Zeckenstiche von erwachsenen Zecken werden meistens bemerkt, solche auf Menschen im Allgemeinen sogar recht früh. Vor allem ein Stich einer weiblichen Zecke kann eigentlich nicht unbemerkt bleiben, schließlich kann es schonmal zwei Wochen dauern, bis sie mit ihrer Mahlzeit fertig ist. In der Zeit erreicht sie eine Größe von bis zu zwei Zentimetern, meistens so um 1,5 Zentimeter. Die Farbe des Zeckenkörpers wechselt dabei langsam von rotbraun hin zu einem immer helleren Grau.

Der Stich einer männlichen Zecke kann hingegen auch unbemerkt vonstatten gehen, diese Tiere saugen nicht länger als in ihren vorhergehenden Entwicklungsstadien, verändern dabei ihre Größe nicht. Das Zeckenmännchen muss bewegungsfähig bleiben, denn es muss nach einem weiblichen Tier suchen und sich dort hinbegeben. Nachdem es gefunden wurde, beginnt der Kreislauf mit der nächsten Generation von neuem. Eine Zecke braucht dabei für diese drei Entwicklungsstadien meistens mehrere Jahre, inklusive der Wartezeiten auf passende Wirte, passenden Partner, passendes Wetter. Den größten Teil ihres Lebens verbringt sie mit Warten, es können unter Umständen viele Jahre, sogar Jahrzehnte werden.

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