Zecke, vollgesogen Zecken und so

Zecken-Hysterie: Das gefährlichste Tier Deutschlands

Zecken übertragen Krankheiten. Sowohl die Lyme-Borreliose als auch die FSME (Frühsommer-Meningo-Enzephalitis) sind schwere Erkrankungen, die die Lebensqualität dramatisch verschlechtern und sogar zum Tod führen können. Zecken sind heimtückisch, man bemerkt sie nicht, auf einmal sitzt eine am Körper, ohne dass einem klar ist, wo die hergekommen sein könnte. Diese Kombination macht Angst.

Allerdings ist Angst ein schlechter Ratgeber. Zecken sind gefährlich, das stimmt. Ob sie deshalb gleich das gefährlichste Tier Deutschlands sind, wie man in letzter Zeit an vielen Stellen lesen kann, bleibt zweifelhaft. Es ist nicht definiert, woran man das gefährlichste Tier genau erkennt. Große Tiere, wie Bären und Tiger, stellen in Deutschland sicherlich keine reale Gefahr dar, aber im Kleinen gibt es noch einige andere Kandidaten. Stechmücken übertragen auch Krankheiten, wer eine Wespe oder Biene verschluckt, muss damit rechnen, dass der Tod sehr schnell eintritt. Es gibt noch mehr Kandidaten auf den Titel des gefährlichsten Tieres, wie zum Beispiel der Fuchsbandwurm, Ratten, Wölfe oder Hunde. Der Titel wird wie es scheint öfter mal nach Bedarf vergeben.

Anzeige:


Zeckenpinzette

feine Spitze - gebogen - Spitze nicht gerieft - rostfreier Edelstahl

Einfach kaufen bei

In Bezug auf die Zecken ist es letzten Endes irrelevant, ob sie nur gefährlich oder am gefährlichsten sind. Es ist eine gute Idee, sich vor Steckenstichen und ihren Folgen zu schützen. Es ist aber auch eine gute Idee, ein wenig abzuwägen. Wenn man eine Begegnung mit Zecken mit hundertprozentiger Sicherheit vermeiden möchte, bedeutet das eine erhebliche Einschränkung der Lebensqualität, die dann auch nicht mehr gesund ist. Wer aus Sicherheitsgründen immer im Bett bleibt, sollte bedenken, dass das der Ort ist, an dem die meisten Leute sterben.

Zahlen und Wahrscheinlichkeiten

Besser als Hysterie oder übertriebene Angst ist, sich über die Wahrscheinlichkeit eines Zeckenbisses, die Wahrscheinlichkeit, an einer zeckenübertragbaren Krankheit zu erkranken, zu informieren. Sich über wirksame Vorbeugungsmaßnahmen zu informieren und dann abzuwägen, wie hoch das persönliche Risiko ist, wie einschränkend und damit eben auch ungesund die möglichen Vorbeugungsmaßnahmen sind. Je nach der Höhe der persönlichen Risikoaversion kann man dann informiert entscheiden, ob einem alle erdenklichen Vorsichtsmaßnahmen inklusive der damit verbundenen Einschränkungen besser gefallen oder ob man ein gewisses Risiko auf sich nehmen möchte. Hysterie oder übertriebene Angst sind genauso schlechte Ratgeber wie ignorante Sorglosigkeit.

Es gibt nur wenig exakte Zahlen. Einzig die FSME ist meldepflichtig, nur hier kann man also von echten Zahlen ausgehen. Für Borreliose gibt es nur Schätzungen. Von anderen zeckenübertragbaren Krankheiten ist nur bekannt, dass sie sehr selten sind, wie selten genau, ist nicht bekannt.

Im Jahr 2010 (neuere Zahlen gibt es noch nicht) wurden in Deutschland 260 FSME-Erkrankungen gemeldet. Die genaue Zahl schwankt von Jahr zu Jahr, liegt aber nach Angaben des RKI externer Link normalerweise zwischen 239 und 313 Fällen pro Jahr. Zum Vergleich, an einer koronaren Herzerkrankung sind etwa 6,5% der Frauen und 9,2% der Männer erkrankt externer Link. In Deutschland leben rund 80 Millionen Einwohner. Es sind also rund 6,3 Millionen Menschen an einer koronaren Herzerkrankung erkrankt. Wer nicht rausgeht, sich nicht bewegt, erhöht sein Risiko, auch zu erkranken, bzw. eine bestehende Krankheit zu verschlechtern. Wer in einem FSME-Risikogebiet lebt, kann sich impfen lassen. Überall sonst ist das Risiko einer Erkrankung verschwindend gering. Wer versucht, sich um jeden Preis vor FSME zu schützen, der muss seine Aktivitäten im Freien einschränken, was das Risiko einer koronaren Herzerkrankung erhöht. Wie immer muss man beide Seiten betrachten, absolute Sicherheit gibt es nicht.

Anzeige:

Birgit Jürschik-Busbach:

Die verschwiegene Epidemie:
Zeckenstich-Borreliose. Hilflose Patienten, ratlose Ärzte. Wie Politik, Wissenschaft und Medizin versagen

Verlag 9 Leben Verlag UG:336 Seiten

Einfach kaufen bei

Das Risiko, an einer Borreliose zu erkranken, ist etwas höher. Hier gibt es auch keine Impfung. Aber man kann, selbst bei schon festgebissener Zecke, durch sofortiges Entfernen der Zecke die Übertragung von Erregern meistens verhindern. In den östlichen Bundesländern gibt es eine Meldepflicht für Borreliose, in ganz Deutschland nicht. Pro Jahr werden im Durchschnitt etwas über 5000 Fälle von Borreliose externer Link gemeldet, 75% der Befragten können sich an einen vorausgegangenen Zeckenstich erinnern.

Das Hauptrisiko bei der Borreliose besteht offenbar darin, dass sie oft nicht erkannt oder zu spät diagnostiziert wird. Wer Bescheid weiß, kann auf sich und eventuelle Krankheitssymptome achten und dann die Handlungsweise seines Arztes kritisch hinterfragen. Rechtzeitig behandelt, sind die Heilungsaussichten gut, nur diese rechtzeitige Behandlung muss man eben auch bekommen.

Insgesamt zeigen die Zahlen, dass die meisten Menschen niemals mit zeckenübertragbaren Krankheiten in Berührung kommen. Für die, die sich oft in Zeckengebieten aufhalten, sieht das etwas anders aus, aber sie können sich zum Beispiel mit Repellentien schützen. Es hilft auch viel, nach dem Aufenthalt im Freien nach den Zecken zu suchen und sie bei Bedarf sofort zu entfernen. Eine wirklich wirksame Maßnahme ist der Besitz einer Zeckenzange, denn durch möglichst schnelle Entfernung der Zecke wird die Übertragung von Krankheitserregern sehr unwahrscheinlich.

Es gibt Schätzungen, dass ungefähr jede 30. Zecke mit Krankheitserregern infiziert externer Link ist. Das bedeutet aber noch nicht, dass jeder 30. Zeckenstich zu einer Erkrankung führt. Es werden auch regionale Unterschiede vermutet, bei der FSME wird sicher von solchen Unterschieden ausgegangen.

Also, Zecken sind gefährlich, aber durch umsichtiges Handeln lässt sich die Gefahr in den Griff bekommen, ohne andere Lebensrisiken aus dem Auge zu verlieren. Angst und Hysterie führen dagegen oft zu einseitiger Betrachtung der Situation, dazu, dass man das Gesamtbild aus dem Auge verliert. Das große Risiko sind nicht Zecken, sondern Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Vor denen kann man sich durch Aktivität im Freien ganz gut schützen. Das ist gesund, trotz des Zeckenrisikos. Es macht auch mehr Spaß.

Anzeige: