Zecke, vollgesogen Zecken und so

Über die Wirksamkeit von Zeckenmitteln

Zum Schutz vor Zecken werden die unterschiedlichsten Mittel angeboten. Leider unterscheiden sie sich auch sehr stark in der Wirksamkeit. Es ist nicht immer einfach festzustellen, ob man ein wirklich wirksames Mittel erworben hat oder ob man nur auf unbewiesene Behauptungen hereingefallen ist. Da Hunde häufiger als Menschen von Zecken befallen sind und die Auswahl an Zeckenmitteln hier auch größer ist, soll die folgende Argumentation am Beispiel der Hunde erfolgen. Sie gilt aber grundsätzlich für alle, auch für Menschen.

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Die intuitive Methode

Der Anlass, sich um Zeckenschutz für den Hund zu bemühen ist häufig eine Zecke. Irgendwann bekommt jeder Hund seine erste Zecke, und spätestens dann ist es Zeit, sich um Zeckenschutz zu kümmern. Er soll natürlich die Zecken wirksam fernhalten, er soll keine Nebenwirkungen haben und den Hund (und seinen Menschen) möglichst nicht belästigen. Er soll einfach anzuwenden sein und möglichst langfristig wirken. Bei der Suche merkt man schnell, dass man nicht alles auf einmal haben kann.

Man entscheidet sich also erstmal für eine der angebotenen Methoden. Dann stellt man den Erfolg fest. Vorher hatte der Hund eine Zecke, seit der Behandlung, womit auch immer, hat er keine mehr. Also ist das Mittel erfolgreich. Oder?

Leider ist es so einfach nicht. So schön es ist, wenn der Hund keine Zecke hat, kann das viele unterschiedliche Gründe haben, die Wirkung des Zeckenmittels ist nur einer davon. Zum Beispiel muss man, um vernünftig vergleichen zu können, die unterschiedlichen Zeiträume berücksichtigen. Vor Anwendung des Zeckenmittels war der Hund lange Zeit, vielleicht sogar jahrelang, zeckenfrei. Das kann viele Gründe haben, manche Hunde ziehen Zecken weniger an als andere, oder der Hund bewegt sich hauptsächlich in zeckenfreien Gebieten, die es ja vor allem in Großstädten noch gibt. Die eine Zecke, die er sich eingefangen hat, war unter diesen Bedingungen mehr oder weniger Zufall. Seit der Anwendung des Zeckenmittels sind ein paar Tage vergangen, der Hund hatte keine neue Zecke.

Aus der Beschreibung der Situation ergibt sich bereits, dass man noch garnicht wissen kann, ob das Mittel wirksam ist oder nicht. Denn ein paar Tage ohne Zecke gab es auch schon in der Zeit ohne Zeckenmittel, sogar ziemlich oft. Es kann also sein, dass wir ein hochwirksames Zeckenmittel angewendet haben, es kann aber auch ein komplett unwirksames Placebo sein, nur weil der Hund gerade keine Zecke hat, kann man das nicht entscheiden. Und schließlich gibt es auch noch unterschiedliche Zecken, die in mehreren Entwicklungsstadien unterwegs sind. Vielleicht gab es Zecken auf dem Hund, es hat sie nur niemand bemerkt.

Auch wenn der Hund von Anfang an mit einem bestimmten Zeckenmittel behandelt wurde und noch nie eine Zecke hatte (oder noch nie eine auf ihm gefunden wurde), bedeutet das nicht unbedingt, dass das Mittel wirkt. Es kann immer noch sein, dass es da, wo der Hund lebt, keine Zecken gibt oder dass gerade dieser Hund nicht dem Geschmack der Zecken entspricht.

Etwas systematischer

Wenn man also sichergehen möchte, dass der Hund auch dann geschützt ist, wenn er an Orte geht, an denen es tatsächlich Zecken gibt, dann muss man etwas systematischer vorgehen.

Die einfachste Möglichkeit ist, andere Leute zu befragen, die die gleiche Methode anwenden oder angewendet haben. Wenn deren Hunde auch keine Zecken haben, dann spricht das für die Wirksamkeit der Methode. Sicher ist das aber auch nicht. Denn wenn man zum Beispiel die Leute befragt, die man beim Hundespaziergang trifft, dann kann es immer noch sein, dass auch deren Hunde sich meistens in zeckenfreien Gebieten bewegen. Oder dass es zufällig auch Hunde sind, die von Natur aus Zecken nicht so anziehen. Man weiß also nicht unbedingt mehr, nur weil man andere Menschen befragt. Die Sicherheit steigt natürlich, je mehr Leute man befragt, und je unterschiedlicher deren Hunde und Lebensweisen sind.

Man kann die Möglichkeiten des Internets nutzen. Viele Leute schreiben in Foren oder ähnlichem über ihre Erfahrungen mit Zeckenmitteln. Dummerweise weiß man so gut wie nie, wie man diese Äußerungen einschätzen kann. Es kommt ziemlich häufig vor, dass Menschen ihre Erfahrungen direkt nach der Anwendung berichten. Oder nach ein paar Tagen. Ob das Mittel wirkt, weiß man aber meistens erst nach Wochen, eventuell noch später. Dann berichtet niemand mehr. Schließlich kann es auch sein, dass auch die Hunde, über die da berichtet wird, ihren Auslauf in zeckenfreien Gebieten haben. Hinzu kommt die Möglichkeit, dass die euphorischen Erfolgsmeldungen vom Hersteller oder Verkäufer selber stammen, also garnicht echt sind.

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Um etwas sagen zu können, braucht es Zecken

Eine der wichtigsten Bedingungen, die erfüllt sein müssen, damit man entscheiden kann, ob ein Zeckenmittel wirksam ist, ist die Anwesenheit von Zecken. Wenn keine da sind, kann man über das Zeckenmittel gar nichts sagen.

Grundsätzlich kann es überall Zecken geben (sogar in der eigenen Wohnung), trotzdem sind sie sehr unterschiedlich verteilt. In der Stadt, vor allem in der Großstadt, gibt es meistens nur sehr wenige Zecken, auch wenn das natürlich nicht garantiert werden kann. Gleichzeitig gibt es sehr viele Hunde, so dass die wenigen Zecken meistens schon von anderen Hunden aufgesammelt wurden, der eigene also gar keine mehr antrifft. Das ist gut für den Hund, aber es verhindert, dass man die Wirksamkeit des Zeckenmittels einschätzen kann. Was man tun sollte, bevor man sich an Orte begibt an denen es wahrscheinlich mehr Zecken gibt.

Dazu ein Vergleich: In Städten gibt es häufig Hundewiesen, auf denen dann sehr viele Hunde laufen. Diese Wiesen sind kurz gemäht, was keine guten Lebensbedingungen für Zecken ergibt. Falls doch mal eine Zecke vorkommt, wird irgendein Hund sie aufsammeln, wahrscheinlich nicht der eigene. Dazu sind es einfach zu viele Hunde. Irgendeiner war immer schon vorher da.

Eine vergleichbare Wiese in einer eher ländlichen Gegend hat wahrscheinlich ganz andere Bedingungen. Sie wird nicht so oft gemäht, es gibt mehr Wild, mehr Mäuse, die Lebensbedingungen für die Zecken sind viel besser. Der einzelne Hund, der dort läuft, wird, wenn er ungeschützt ist, zwar nicht alle, aber doch viele Zecken mit nach Hause bringen. Hier kann man feststellen, ob das Zeckenmittel wirkt. Und man sollte ein wirklich wirksames Zeckenmittel haben, bevor man mit seinem Hund hier hingeht.

Bevor man den Versuch macht, sollte man sich mit einer guten Zeckenzange oder einem vergleichbaren Werkzeug ausrüsten. Denn viele Mittel, die in der Stadt so gut gewirkt hatten (oder jedenfalls hatte es den Anschein), wirken hier plötzlich nur noch unzureichend oder gar nicht mehr.

Wenn man also wissen möchte, ob das Zeckenmittel wirkt, dann muss man an einen Ort gehen, an dem es Zecken gibt. Leider weiss man das von keinem Ort so ganz genau, man kann nur vermuten. Um es ganz genau zu machen, sollte man sich deshalb auf die wissenschaftliche Methode verlassen.

Die wissenschaftliche Methode

Um mit wissenschaftlichen Methoden nachzuweisen, ob oder wie gut ein Zeckenmittel wirkt, braucht es zwei Dinge: das eine ist die Beobachtung, wieviele Zecken sich auf einem behandelten Hund festsetzen, verglichen mit der Anzahl der Zecken, die sich auf einem nicht behandelten Hund festsetzen. Denn viele Mittel wirken zwar, aber eben nicht hundertprozentig. Da Hunde unterschiedlich sind, gilt diese Beobachtung erst dann als sicher, wenn man viele Hunde unter gleichen Bedingungen beobachtet hat. Das nennt man die empirische Methode.

Das Wirkprinzip

Das andere ist das Prinzip, auf dem die Wirkung des Zeckenmittels beruht. Viele Mittel wirken, indem sie die Zecken töten. Das kann man ganz ohne Hund nachprüfen. Und das ist sehr sinnvoll, denn Zecken sind wirklich gefährliche Schädlinge, die sich, wenn man sie nur vertreibt, eben woanders festsetzen und dann in der nächsten Generation wieder, diesmal in größerer Zahl, ihr Glück mit dem Hund (oder auch Mensch) versuchen. Trotzdem gibt es eine ganze Reihe von Zeckenmitteln, die nur vertreibend wirken. Zecken orientieren sich unter anderem über den Geruch. Wenn der Hund nicht mehr nach Hund riecht, dann erkennen sie ihn nicht mehr oder nicht mehr so gut. Je nachdem, welcher Geruchsstoff verwendet wird, wirken diese Mittel unterschiedlich gut. Auch die vertreibende Wirkung kann man ohne Hund testen. Andere Mittel wirken eben, keiner kann sagen wieso. Das war schon immer so, das muss man glauben. Letzteren begegnet der Wissenschaftler mit Skepsis. Er gibt ihnen aber eine Chance, indem er sie mit der empirischen Methode prüft. Wenn es wirkt, dann ist es ja letzten Endes egal, warum.

Empirie

Für die genaue Prüfung braucht man also zwei Gruppen von Hunden, die vergleichbar sind. In beiden Gruppen sollten also ungefähr gleich viele große und kleine Hunde, Vertreter unterschiedlicher Rassen und Hunde, die auf dem Land oder in der Stadt leben, untersucht werden. Denn wenn man zum Beispiel in der einen Gruppe nur Chihuahuas, in der anderen Gruppe nur Doggen untersucht, kann es sein, dass ein gefundener Unterschied garnichts mit dem Zeckenmittel zu tun hat, sondern nur mit den unterschiedlichen Rassen.

Die eine Gruppe behandelt man mit dem in Frage stehenden Zeckenmittel, wobei man sich an die Dosierungsempfehlung hält. Die andere Gruppe behandelt man nicht. Dann tut man auf jeden Hund eine bestimmte Zahl von Zecken, zum Beispiel auf jeden Hund 100. Nach einer bestimmten Zeit, je nach der Wirkdauer des jeweiligen Mittels, zählt man die Zecken, die pro Hund festgebissen, frei auf dem Hund rumlaufend und runtergefallen sind.

Man wird feststellen, dass sich auch auf unbehandelten Hunden nicht alle Zecken festbeissen, dass auch auf behandelten Hunden festgebissene Zecken zu finden sind. Die Wirkung des untersuchten Zeckenmittels ist umso besser, je kleiner die Anzahl der festgebissenen Zecken, und je größer die Anzahl der runtergefallenen Zecken ist. Natürlich im Vergleich zu den unbehandelten Hunden. Denn wenn die Zahlen für beide Gruppen gleich oder annähernd gleich sind, dann bedeutet das, dass das Mittel nicht wirkt. Egal, wieviele Zecken sich nun festbeissen oder nicht.

Natürlich entfernt man alle Zecken wieder von den Hunden.

Es wird klar, dass man als Privatperson kaum eine Möglichkeit hat, eine solche Untersuchung durchzuführen. Das ist auch nicht nötig, denn alle bekannten Mittel sind bereits auf diese Weise untersucht worden. Mit Rücksicht auf die Hunde sollte man also auf unnötige Wiederholungen verzichten. Auch wenn die Ergebnisse der Untersuchungen nicht jedem gefallen. So lässt sich zum Beispiel mit der empirischen Methode zeigen, dass viele alternative Mittel exakt genauso gut gegen Zecken wirken wie gar keine Behandlung. Der subjektive Eindruck kann täuschen, vor allem dann, wenn man sich wünscht, dass etwas wirkt. Bevor man also mit seinem Hund in Zeckengebiete aufbricht, sollte man ihn mit einem wirksamen Mittel schützen, zum Beispiel mit einem vom Tierarzt. Und eine Zeckenzange mitnehmen. Über Zeckenmittel für Menschen kann man sich auf dieser Seite informieren.

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